Deutscher Gewerkschaftsbund

13.11.2020
NGG

HARIBO muss im Osten bleiben!

Geplante Schließung des Standortes in Wilkau-Haßlau

HARIBO Wilkau-Haßlau

HARIBO Wilkau-Haßlau Hron

Am 12.11.2020 lud der Bürgermeister von Wilkau-Haßlau, Stefan Feustel, und sein Stellvertreter aus Anlass der angekündigten Schließung des Haribo-Standortes in das Rathaus Beschäftigtenvertreter und Vertreter von Politik, Verwaltung ein. Das Gespräch war abgesprochen mit der Gewerkschaft NGG und dem DGB.

Anwesend waren neben weiteren Vertretern der Kommune der Sächsische Ministerpräsident, Michael Kretschmer (per TelKo zugeschaltet), die Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann (DIE LINKE) sowie der Bundestagsabgeordnete Karsten Körber (CDU). Die NGG war vertreten durch Thomas Lißner und die DGB-Region Südwestsachsen durch den Regionsgeschäftsführer Ralf Hron. Der Betriebsrat von Haribo Wilkau-Haßlau war vollständig unter der Leitung von dem BR-Vorsitzenden Maik Pöschmann vertreten.

Es erfolgte eine Lagebeschreibung, auf der die äußerst knappe und ungenügende Kommunikation seitens der Unternehmensleitung von HARIBO hervorging. Nachdem im August einige befristete Verträge nicht verlängert wurden und der Betriebsrat daraufhin um Klärung bat, wurde nach Verzögerung durch das Management im Oktober (offiziell 31.10.2020) dem Betriebsrat und den Beschäftigten mitgeteilt, dass der Standort zum 31.12. diesen Jahres aufgegeben wird. Die Entscheidung ist extrem überhastet und natürlich „ein Schlag ins Gesicht“ für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Region.

Geplant sind zur Unterstützung der Beschäftigten (NGG: Wir geben nicht auf!) öffentlichkeitswirksame Aktionen in Form von einer Demonstration/Kundgebung am 21.11.2020 in Zwickau und am 05. oder 06.12.2020 eine weiter Veranstaltung. Einen ersten Termin zur Sozialplanverhandlung gibt es am 19.11.2020.


Diskussion im Rathaus Wilkau-Haßlau am 12.11. 2020

Diskussion im Rathaus Wilkau-Haßlau am 12.11. 2020 Hron

Eingangs der Diskussionsrunde im Rathaus machte der Bürgermeister deutlich, dass die Stadt ebenfalls „alles versuchen will“, um den Standort zu halten. Die Stadt hatte bereits 2008, beim ersten Kontakt mit dem Unternehmen, und 2011 Gespräche der Geschäftsführung angeboten. Dabei ging es u.a. um die Frage, wie die Kommune dem Unternehmen helfen kann (Flächen stehen zur Verfügung, weitere Infrastrukturfragen).

MdB Sabine Zimmermann wies darauf hin, dass Haribo lt. eigenen Angaben, im Jahr 2017 23 Mio. und im Jahr 2019 bereits 27 Mio. € Umsatz tätigt. Unabhängig vom ausgewiesenen Gewinn wies sie daraufhin, dass ein Gewinnablösungsvertrag zur Unternehmensmutter besteht und über die Jahre offensichtlich immer wieder Summen herausgezogen wurden.

Ministerpräsident Kretschmer teilte den Beschäftigten seine Solidarität mit. Er hatte am Vorabend Kontakt mit dem Management, nicht jedoch mit den Eignern der Firma. Er sieht zurzeit keine Bereitschaft, die Entscheidung zu überdenken. Das Gespräch ist also offensichtlich enttäuschend verlaufen. 30 Jahre nach der deutschen Einheit und im 100. Jubiläumsjahr von Haribo und eingedenk der extrem knappen Kommunikation des Unternehmens selbst, gibt es zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur Enttäuschung. Das Mindeste, was das Unternehmen Haribo jetzt machen muss ist, mit den Beschäftigten und der Kommune in einen direkten Dialog zu treten.

 

DGB Kreisvorsitzende Zwickau Sabine Zimmermann

DGB Kreisvorsitzende Zwickau Sabine Zimmermann Hron

Die weiteren Redner (Henning Homann, MdL SPD), Carsten Körber (MdB CDU), Ralf Hron (DGB) Herr Michaelis (2. Beigeordneter Landkreis Zwickau) machten in ihren Wortbeiträgen deutlich, dass die Region, die Politik und die Gewerkschaften bereit sind, den Standort zu verteidigen und um die Arbeitsplätze zu kämpfen. Die Beschäftigten selbst beschrieben in unterschiedlichen Varianten ihre persönliche Situation und den Ärger über die Verhaltensweise von Haribo.

Ralf Hron übermittelte solidarische Grüße von DGB-Bundesvorstandsmitglied Stefan Körzell, der zwei Tage zuvor mit dem Ostbeauftragten der Bundesregierung, MdB Marko Wanderwitz, über die drohende Schließung öffentlich gesprochen hat.
In den Diskussionen wurde über mögliche Kontakte auch zum NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet (Standort Bonn) und der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (Unternehmensstammsitz) gesprochen. Klar war allen Diskutanten, dass die Frage des Images von Haribo ein zentraler Ansatzpunkt sein muss.

Der sächsische Wirtschafts- und Arbeitsminister, Martin Dulig, ist in die Gespräche involviert. Die öffentliche Petition zum Erhalt des Standorts haben bereits jetzt knapp 10.000 Personen unterschrieben.

Thomas Lißner, (NGG) berichtete von den Versuchen der Gespräche mit Verantwortlichen des Unternehmens und fasste den Sachstand wie folgt zusammen:

1. Ziel: Erhalt und Kampf um die Arbeitsplätze
2. Sozialplanverhandlung
3. Image von Haribo
4. Direktes Gespräch mit den Eignern der Firma

Neben den Online-Petitionen ist die Durchführung der Kundgebung am 21.11.2020 in Zwickau jetzt oberste Priorität. Nach dem Gespräch im Rathaus gab es einen Fototermin, zahlreiche Pressegespräche und darauf hin eine ausführliche Berichterstattung in den Medien .

BR von HARIBO mit DGB Regionsgeschäftsführer Ralf Hron

BR von HARIBO mit DGB Regionsgeschäftsführer Ralf Hron


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