Deutscher Gewerkschaftsbund

02.04.2013

Wege aus dem Billiglohn

Der Mindestlohn ist nötig, aber nicht genug. Darin waren sich die Referenten beim DGB-Forum am 28. März im Freiberger Brauhof einig. Beim ersten Diskussionsabend des neuen DGB-Kreisverbandes Mittelsachsen standen prekäre Arbeitsverhältnisse im Mittelpunkt. Ein Thema, das trotz seiner Aktualität nur 15 Zuhörer anlockte.

Schnell herrschte Konsens, dass Billiglöhnen ein Riegel vorgeschoben werden müsse. CDU-Landtagsabgeordneter Alexander Krauß wagte die Prognose:

„Der bundesweite Mindestlohn kommt noch vor der Bundestagswahl." Doch das reicht nicht, wie Christian Bartsch vom Arbeitgeberverband Chemie Nordost einräumt. „Wer ein Leben lang bei einer Vollzeitstelle nur Mindestlohn von 8,50 Euro verdient, landet mit seiner Rente unter der Armutsgrenzen", erklärte er. Deswegen müsse ein Stundenlohn von 11 Euro das Ziel sein.

Auch für Leiharbeiter gibt es seit November 2012 Mindestlöhne. Im Osten erhalten sie 7,50 Euro, in den übrigen Bundesländern 8,19 Euro pro Stunde.

„Auch der Urlaubsanspruch ist für sie geregelt", hob Elisa Heinrich vom Personaldienstleister I.K. Hofmann hervor. Die Firma, die auch eine Niederlassung in Freiberg hat, vermittelt Zeitarbeiter in alle Branchen. „Wir spüren den Fachkräftebedarf. Deswegen erhalten wir Anfragen von der Solarbranche bis zum kleinen Handwerksbetrieb", so Heinrich. Doch trotz Mindestlohn liegt die Bezahlung der Leiharbeiter weit unter dem Tariflohn. Bis zu 50 Prozent weniger bekämen die Leiharbeiter als ihre Kollegen aus der Stammbelegschaft, berichtete Sabine Zimmermann vom DGB Südwestsachsen.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit bleibt für mich ein Traum", bestätigte ein Leiharbeiter bei der Veranstaltung aus eigener Erfahrung. Auch die Hoffnung auf eine Festanstellung bliebe für Leiharbeiter fast immer auf der Strecke. Deswegen forderten Besucher des Forums die zeitliche Begrenzung des Einsatzes von Leiharbeiter in Betrieben. „Zeitarbeit soll Spitzen abfangen, aber nicht zu einer Dauereinrichtung führen", so ein Gast. Das Forum des DGB-Kreisverbandes Mittelsachsen war Auftakt für eine neue Veranstaltungsreihe. Im Herbst ist eine Diskussion zum Thema „Stress am Arbeitsplatz" geplant.

von C. Möls

 


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Die meisten europäischen Länder machen bereits gute Erfahrungen mit gesetzlichen Mindestlöhnen. In Deutschland blockieren die Entscheidungsträger Existenz sichernde Löhne für alle Beschäftigten. Dabei arbeiten immer mehr Menschen zu Niedriglöhnen. Zur Seite: www.mindestlohn.de