Deutscher Gewerkschaftsbund

16.08.2016
Zwickau

Sächsischer Mitbestimmungspreis

Betriebs- und Personalräte vom DGB ausgezeichnet

Am 16.08.2016 wurden im Alten Gasometer in Zwickau Betriebs- und Peronalräte ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise für gute Arbeit und Krisenbewältigung im Unternehmen eingesetzt haben. Das besondere Augenmerk bei der Verleihung des diesjährigen Mitbestimmungspreises gilt der Einbeziehung der Leiharbeit in die betriebliche Mitbestimmung, der Chancengleichheit von Frauen und Männern, Projekten der Vereinbarung von Familie und Beruf, einer vorausschauenden Personalplanung, der Herstellung alternsgerechter Arbeitsbedingungen und Aktivitäten gegen den Fachkräftemangel. Aber auch die Gründung von Betriebsräten unter erschwerten Bedingungen wurde honoriert. Durchgeführt wurde die Verleihung vom DGB Bezirk Sachsen. Festansprache von Olivier Höbel, dem Bezirksleiter der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen. RednerInnen verschiedener DGB Gewerkschaften nahmen dabei die Laudatio vor.

DGB Betriebs- und Personalrätepreis 2016.

DGB Betriebs- und Personalrätepreis 2016. Hron

Betriebsrat der Annaberger Backwaren GmbH

Betriebsrat der Annaberger Backwaren GmbH DGB/fv

Vier Betriebsräte erhielten in Zwickau den Sächsischen Mitbestimmungspreis, den eine Jury aus Gewerkschaftern, Politikern und Journalisten auf Initiative des DGB Sachsen vergibt. Der Betriebsrat der Annaberger Backwaren GmbH erhielt der 1. Preis. Der Betriebsrat der Solar World Industries Sachsen konnte den 2. Preis entgegennehmen. Zwei 3. Preise erhielten der Konzernbetriebsrat der Leipziger Verkehrs- und Versorgungsgesellschaft mbH (LVV) und der Betriebsrat der Falke Strumpffabrik GmbH Dorfchemnitz. Die Preisträger wurden ausgezeichnet, weil sie sich als Betriebsräte für Verbesserungen im Arbeitsumfeld der Beschäftigten eingesetzt haben.

Thematisiert wurde während der Veranstaltung mehrfach, dass allein die Gründung eines Betriebsrates ist in vielen Unternehmen in Sachsen oft nur sehr schwer durchsetzbar ist. Es ist erschreckend einfach, die Mitbestimmung zu ignorieren oder sich über bestehende Gesetze hinwegzusetzen und die Arbeit der Betriebs- und Personalräte zu behindern. Stellvertretend wurde auf die aktuelle Auseinandersetzung bei MA Automotive Deutschland GmbH im vogtländischen Treuen eingegangen.

Betriebsrat Solar World

Betriebsrat Solar World DGB/fv

Dort hat das Unternehmen dem Betriebsratsvorsitzenden Michael Zähringer eine außerordentliche und fristlose Kündigung überreicht.  Seitdem befindet sich die IG Metall in der gerichtlichen Auseinandersetzung. Dieses Verhalten des Arbeitgebers ist nicht nur unakzeptabel und gesetzeswidrig, es zeigt auch, dass die Arbeit der Betriebs- und Personalräte massiv angegriffen wird. Allen sollte klar sein, dass damit ein wesentliches Stück des sozialen Zusammenhaltes und die Demokratie selbst angegriffen wird.

Begrüßt wurde in Zwickau auch die stellv. Betriebsratsvorsitzende der Firma Benseler, Ramona Weber. Der Betriebsrat mit seinem Vorsitzenden Steven Kempe, führt mit den Kolleginnen und Kollegen in dieser Firma seit Monaten mit der IG Metall eine Auseinandersetzung um einen Tarifvertrag. Mehrmals in diesem Jahr waren sie vorm Werktor und immer wieder versucht das Unternehmen mit Schikanen, das zu verhindern, was in diesem Land Grundstandard sein sollte. Ein tarifvertraglich abgesichertes Arbeitsverhältnis!

Zur Preisverleihung konnte der Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag Rico Gebhardt und der SPD Landtagsabgeordnete und stellv. Fraktionsvorsitzende Henning Hohmann begrüßt werden.

Betriebsrat der Falke Strumpffabrik

Betriebsrat der Falke Strumpffabrik DGB/fv

Ralf Hron, Geschäftsführer der DGB Region Südwestsachsen dazu: "Die Arbeit von Betriebs- und Personalräten verändert sich ebenso schnell wie sich die Arbeitswelt im fortlaufenden Wandel befindet. Die Interessen der Menschen sind ebenso wie die technologischen Möglichkeiten wesentlich vielfältiger geworden. Für die Betriebs- und Personalräte bedeutet dies, dass der möglichst umfassende Schutz und das Bedürfnis nach Souveränität der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in einer Balance gehalten werden müssen. Die künftigen Herausforderungen, z.B. die digitale Entwicklung stellen uns alle vor enorme Herausforderungen."

Wenn das Zusammenspiel von Tarifvertrag, Einheitsgewerkschaft, betrieblicher und Unternehmensmitbestimmung aus dem Gleichgewicht gerät, ist das erfolgreiche deutsche Modell der Sozialpartnerschaft in Gefahr. Darum hält der DGB die Durchsetzung und die Ausweitung der Reichweite der betrieblichen Mitbestimmung für unbedingt erforderlich.


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