Deutscher Gewerkschaftsbund

27.11.2017
Vollversammlung der Handwerkskammer

Resolution gegen die Modularisierung der Berufsausbildung

DGB Südwestsachsen mit HWK Chemnitz

Handwerkskammerpräsident Frank Wagner mit DGB Regionsgeschäftsführer Ralf Hron im Gespräch zur Resolution der Vollversammlung.

Handwerkskammerpräsident Frank Wagner mit DGB Regionsgeschäftsführer Ralf Hron im Gespräch zur Resolution der Vollversammlung. Hron HWK

Die Vollversammlung der Handwerkskammer Chemnitz hat am Samstag (25.11.) eine Resolution gegen die Modularisierung der dualen Berufsausbildung verabschiedet. Handwerkskammer-Präsident Frank Wagner sagte: „Unser erklärtes Ziel ist die ganzheitliche Berufsausbildung. Wir sind gegen eine Ausbildung „light“, wir dürfen den Qualifizierungsanspruch in den Handwerksberufen nicht aufs Spiel setzen. Ziel muss es sein, die duale Berufsausbildung zu stärken, anstatt sie durch Teilqualifikationen zu entwerten.“

Seit 2014 fordern einzelne Akteure aus Wirtschaft und Bildung, zusätzlich zu den nach bundeseinheitlichen Lehrplänen geregelten Berufsausbildungen Teilqualifikationen anzubieten. Diese sollen, so deren Verfechter, Geringqualifizierten den Weg in Arbeit erleichtern. Die Handwerkskammer Chemnitz befürchtet, dass solche Teilqualifikationen künftig nicht nur nach Einzelfallentscheidungen für Geringqualifizierte und schwer in den Arbeitsmarkt vermittelbare Personen angeboten werden, sondern dass mit ihnen systematisch Parallelstrukturen für eine Ausbildung „light“ geschaffen werden.

Vor dem Hintergrund, dass in einigen Gewerken Branchenmindestlöhne gezahlt werden, die über dem allgemeinverbindlichen gesetzlichen Mindestlohn liegen, sieht die Handwerkskammer Chemnitz die Gefahr, dass potenzielle Auszubildende auf die im Regelfall dreieinhalbjährige Berufsausbildung verzichten.

Aus Sicht der Handwerkskammer Chemnitz ist die duale Ausbildung nach bundeseinheitlichen Lehrplänen die Voraussetzung dafür, dass Betriebe in der Lage bleiben, flexibel auf sich ändernde wirtschaftliche Anforderungen zu reagieren, ihre Innovationskraft zu behalten und auf die Herausforderungen der Digitalisierung zu reagieren. Nach Ansicht der Handwerkskammer Chemnitz ist die duale Berufsausbildung zudem sowohl aus Arbeitgeber- wie aus Arbeitnehmersicht die Voraussetzung für nachhaltige Beschäftigung. „Gut ausgebildete Mitarbeiter behalten in Krisenzeiten eher ihren Arbeitsplatz als schlecht ausgebildete. Und ein Chef überlegt es sich auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sehr genau, ob er gut qualifizierte Mitarbeiter entlässt oder nicht“, sagte Handwerkskammer-Präsident Frank Wagner.

Auch vor dem Hintergrund, dass aktuell zahlreiche Geflüchtete für den deutschen Arbeitsmarkt qualifiziert werden müssen, befürchtet die Handwerkskammer Chemnitz, dass über die Möglichkeit von Teilqualifikationen mehrheitlich Geringqualifizierte in Arbeit kommen statt der in den Handwerksbetrieben benötigten voll ausgebildeten Fachkräfte.

Die Handwerkskammer setzt sich seit 2014 gegen die breit angelegte Modularisierung der Berufsausbildung ein. Die am heutigen Samstag (25.11.) verabschiedete Resolution basiert auf einem im Januar 2014 gemeinsam vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) verabschiedeten „Plädoyer für eine ganzheitliche Berufsausbildung.“ Die Handwerkskammer Chemnitz greift das Papier jetzt auf, weil seit jüngster Zeit Teile der Wirtschaft und des Bildungssektors verstärkt Teilqualifikationen anwenden.

Die Resolution der Handwerkskammer vom 25.11.2017 sowie das Papier von ZDH und DGB, auf das sich die Resolution bezieht, finden Sie angehängt.

Resolution Vollversammlung HWK Chemnitz: Keine Modularisierung im Handwerk vom 25.11.2017. (PDF, 175 kB)

Resolution Vollversammlung HWK Chemnitz: Keine Modularisierung im Handwerk vom 25.11.2017.


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