Deutscher Gewerkschaftsbund

22.11.2016
Politische Bildung stärken

Sachsenmonitor

Sächsische Staatsregierung legt Sachsen-Monitor vor

MdB Susann Rüthrich und Ralf Hron DGB SWS.

MdB Susann Rüthrich und Ralf Hron DGB SWS. Hron

Angesichts der Ergebnisse des heute erschienenen Sachsen-Monitor 2016 sprechen sich die Vorstandsvorsitzenden des Courage - Werkstatt für demokratische Bildungsarbeit e.V., Susann Rüthrich und Ralf Hron, für eine Stärkung der schulischen und außerschulischen politischen Bildung aus.

"Wir begrüßen, dass heute durch die Sächsische Staatsregierung der Sachsen-Monitor vorgelegt wurde. Damit liegen nun erstmals fundierte Aussagen über die politische Kultur in Sachsen vor. Die Ergebnisse des Sachsen-Monitor bestätigen, wovor zivilgesellschaftliche Expertinnen und Experten seit Jahren gewarnt haben: Eine schwache Verankerung der Demokratie in der Bevölkerung und eine starke Verbreitung von Einstellungsmustern gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit."

„Die Ergebnisse zeigen, dass in den letzten Jahren zu wenig in politische Bildung investiert wurde. Eine Schlussfolgerung aus dem Sachsen-Monitor muss sein, diejenigen zu unterstützen, die sich für Demokratie engagieren und Angebote der schulischen und außerschulischen Bildung zu stärken.“

"Es ist ein deutliches Warnzeichen, dass lediglich 51% der Befragten mit dem Funktionieren der Demokratie in Deutschland und 56% mit dem Funktionieren der Demokratie in Sachsen zufrieden sind, dass 58% der Befragten die Bundesrepublik in gefährlichem Maße überfremdet halten, 69% Muslimen unterstellen, unsere Werte nicht zu akzeptieren oder 53% nationalistischen Einstellungen anhängen."

"Ein besonderes Achtungszeichen muss sein, wenn in der Altersgruppe zwischen 18 und 29 Jahren, die Entfremdungserscheinungen gegenüber der Demokratie und explizit demokratiefeindliche Einstellungen überdurchschnittlich stark ausgeprägt sind. Auf der anderen Seite ist es positiv, wenn in der gleichen Altersgruppe mit 26% vollständiger Ablehnung der Aussage die Bundesrepublik sei in gefährlichem Maße überfremdet, der höchste Wert gemessen wird. Gleichwohl darf dies nicht darüber hinweg täuschen, dass dies in der Altersgruppe die Minderheit ist."

"Es ist weiterhin alarmierend, dass nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten angibt, sich für Politik im Allgemeinen und weniger als die Hälfte für Politik in Sachsen zu interessieren. Dass das politische Interesse bei der jungen Generation zwischen 18 und 29 Jahren noch einmal deutlich geringer ausfällt und in dieser Altersgruppe Einstellungen, die die Verbrechen des Nationalsozialismus relativieren, überdurchschnittlich vorhanden sind, zeigt uns wie zentral eine gute politische Bildung in der Prävention gegen demokratiegefährdende Einstellungen ist."

„Die Ergebnisse des Sachsen-Monitor spiegeln unsere Erfahrungen in den Schulen wieder: Vorurteile gegenüber den „Anderen“, Rassismus und feindselige Haltungen gegenüber dem Islam sind nicht neu, aber in den letzten zwei Jahren deutlicher zutage getreten. Auch in den Schulklassen werden Vorbehalte und Ablehnung drastisch und deutlich formuliert. In Bezug auf das Thema Asyl treffen wir auf viel Unwissen und Gerüchte. Auf der anderen Seite zeigen viele Schüler*innen ein großes Interesse am Thema Asyl haben und viel Empathie für Menschen auf der Flucht mitbringen. Viele engagieren sich in sehr beeindruckender Weise z.B. in selbstorganisierten Projektwochen gegen Rassismus oder Unterstützungsprojekten für Flüchtlinge.“


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