Deutscher Gewerkschaftsbund

12.09.2018
DGB Südwestsachsen

2. Mitbestimmungskonferenz Vogtland

Gewerkschaften und Organisationen aus Politik und Verwaltung tauschen sich zur Fachkräftesituation im Vogtland aus

Brangs, Hron, Brodmann, Zabel (v.l.n.r.)

Brangs, Hron, Brodmann, Zabel (v.l.n.r.) DGB SWS

Über 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, überwiegend Betriebsräte aus Betrieben der vogtländischen Metall- und Elektroindustrie, sowie Gäste aus Politik und Verwaltung, trafen sich diesen Montag im Landratsamt in Plauen, um über Fachkräftesicherung und betriebliche Mitbestimmung im Vogtland zu diskutieren. Eingeladen hatten IMU-Institut, DGB Südwestsachsen und IG Metall Zwickau.

„Zur Bewältigung der Herausforderungen der Fachkräftesicherung bedarf es eines grundsätzlichen Kulturwandels in den Unternehmen“ stellte Staatssekretär Stefan Brangs (SPD) auf der zweiten vogtländischen Mitbestimmungskonferenz fest. Er unterstrich, dass betriebliche Mitbestimmung wichtig für gute Arbeit und die Leistungsfähigkeit der Unternehmen ist und stärker gewürdigt und unterstützt werden sollte.

Ingo Singe, Sozialwissenschaftler an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, gab zum Anfang der Konferenz einen Überblick über die Entwicklungen und Herausforderungen für Wirtschaft und Gesellschaft in den ostdeutschen Regionen. Er machte deutlich, dass Regionen wie das Vogtland vom gegenwärtigen Fachkräftemangel besonders stark betroffen sind. Um Fachkräfte in der Region zu halten, seien neue strukturpolitische Ansätze und eine höhere Wertschätzung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch angemessene Löhne und gute Arbeitsbedingungen notwendig. Er betonte, dass die Qualität der Arbeit, gute Arbeit, in Zukunft der entscheidende Wettbewerbsfaktor für die Unternehmen werde.

Diese Einschätzung wurde von vielen Betriebsräten geteilt. Die wirtschaftliche Lage sei momentan gut, nur zeige sich dies nicht auf dem Lohnzettel. Dies sei auch ein Grund dafür, dass immer mehr junge Menschen das Vogtland verlassen, um woanders eine besser bezahlte Anstellung zu finden. Mehrere Betriebsräte wiesen darauf hin, dass es besonderer wirtschaftspolitischer und tariflicher Anstrengungen bedürfe, um vor allem junge und qualifizierte Fachkräfte im Vogtland zu halten.

Die Wertschätzung der betrieblichen Mitbestimmung habe – so wurde in der Diskussion deutlich – in den Betrieben des Vogtlandes nicht immer den Stellenwert, den sie eigentlich verdiente. So berichteten mehrere Teilnehmer, dass sie häufig bei der Ausübung ihrer Funktion als Betriebsräte behindert werden. Die Verbreitung der Mitbestimmung, die Präsenz von Betriebsräten und die Tarifbindung seien im Vogtland nur gering ausgeprägt, konstatierte Benjamin Zabel von der IG Metall Zwickau. Ralf Hron, Regionsvorsitzender des DGB Südwestsachsen, wies in seinem Grußwort darauf hin, dass Demokratie nicht hinter dem Werktor enden dürfe und betriebliche Mitbestimmung ein verbrieftes Recht ist, dem in den Betrieben Geltung verschafft werden müsse.

Der 2. Bevollmächtigte der IG Metall Zwickau, Jörg Brodmann, unterstrich, dass Tarifverträge ein wichtiges Instrument zur Gestaltung guter Arbeit seien. Er forderte von der Politik mehr Rückenwind für tariflich gestaltete Arbeitsbedingungen im Vogtland. Die Konferenz bot die Möglichkeit, Betriebsräte in den Dialog mit Vertretern der vogtländischen Fachkräfteallianz zu bringen. Helga Lutz, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Plauen und Marion Päßler, Amtsleiterin des Amts für Wirtschaftsförderung des Vogtlandes, trugen mit ihrer Kompetenz zu einem erfolgreichen Ablauf der Konferenz bei und stellten sich den Fragen, den Anregungen und der Diskussion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Eine engere Zusammenarbeit zwischen Betriebsräten und Vertretern aus Politik und Verwaltung wurde von den Beteiligten als eine notwendige Bedingung formuliert, um die Zukunftsfähigkeit des Vogtlandes zu gewährleisten. Die Gewerkschafter und Betriebsräte unterbreiteten das Angebot an die regionalen Akteure und die Mitglieder der Fachkräfteallianz, in eine intensive Diskussion und zu einer engeren Zusammenarbeit zu kommen. Die Konferenz sollte dazu einen Startschuss geben.

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