Deutscher Gewerkschaftsbund

09.05.2012

kontrovers: Oskar Negt sprach in Chemnitz über "Arbeit und Würde"

Am 8. Mai 2012 sprach der linke Sozialphilosoph Oskar Negt in Chemnitz über das Thema "Arbeit und Würde" und lieferte eine schonungslose Analyse der kapitalistischen Gesellschaft.
Negt lieferte in seinem Vortrag eine Zustandsbeschreibung der modernen Gesellschaft und der kapitalitschen Arbeitswelt. Für die aktuelle Politik in Europa zeigte er wenig Verständnis. Die Politik lege Sparpakete auf, gleichzeitig wird mit Billionen Euro umgegangen, als ob es rein virtuelles Geld sei.
Der 77-jährige, einstige Assistent des berühmten Philosophen Jürgen Habermas, attestierte den Deutschen eine "gesellschaftliche Geisteskrankheit". Die sozialpsychiatrischen Symptome hätten bei den Menschen in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark zugenommen, man lebe in einer zunehmend depressiver werdenden Gesellschaft. Eine Ursache sieht Oskar Negt u.a. in einer Gesellschaft, die nur nach den Regeln des Marktes funktioniert, dies bedarf in einem hohen Maße der Trennung des Menschen von bestimmten Zusammenhängen, etwa der Familie, der Nachbarschaft oder der Traditionen. Die Menschen müssen flexibel sein und allzeit verfügbar. Die Gesellschaft sei so zum Anhängsel des Marktes geworden.
Auch das Thema Arbeitslosigkeit griff Negt in seinem Vortrag auf. Arbeitslos zu sein bedeutet ein Angriff auf die Identität der Menschen, ein Anschlag auf ihre Persönlichkeit. Die gegenwärtig hoch gehaltenen Lösungsmechanismen kritisierte er als schlichtweg falsch.

Die Veranstaltungsreihe "kontrovers" beleuchtet die Themen Arbeit, Wirtschaft und Soziales. Organsiert und durchgeführt von der Volkshochschule Chemnitz, der DGB-Region Südwestsachsen und der Friedrich-Ebert-Stiftung

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